Basilikata: Die Region, die sich vor ihren Besuchern versteckt
Anfang Oktober 2026 habe ich mir eine Woche freigenommen und bin nach Montescaglioso gefahren, nur wenige Kilometer von Matera entfernt. Sieben Tage, unzählige Gänge, ein Ziel: die Basilikata-Küche in ihrer ganzen Breite kennenlernen. An meiner Seite saßen zwei Menschen, die genau wissen, wie man hier kocht: meine Tante Lina und mein Vater Francesco.
Was auf den Tisch kam, war Cucina Povera und lukanische Tradition in Reinform. Hier findest du typisches Essen aus der Basilikata: die Gerichte der Woche mit Zutaten, Hintergrund und ein paar Tipps, was du mit nach Hause nehmen kannst.
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Inhalt
Montescaglioso und Matera liegen nur wenige Minuten von der apulischen Grenze entfernt. Die Menschen hier ziehen im Alltag keine strenge Linie zwischen den Regionen, und das schmeckst du auf dem Teller. Was eigentlich Basilikata ist, wird zu Apulien, und was aus Apulien kommt, wird zur Basilikata.
Orecchiette liebt man auf beiden Seiten der Grenze. Pane di Altamura aus Apulien ist hier genauso geschätzt wie das Pane di Matera. Selbst die Burrata, die bei Tante Lina auf den Tisch kam, stammt ursprünglich aus Apulien. Wenn du die Küche der Basilikata verstehen willst, musst du sie also ohne Grenzen denken.
Das Grundprinzip dahinter heißt Cucina Povera, die Küche der einfachen Leute. Man nutzt, was Garten, Feld und Vorratskammer hergeben: Hartweizen, Hülsenfrüchte, Wildgemüse, Olivenöl, Brot vom Vortag und Peperoncino. Fleisch war früher die Ausnahme, Gemüse die Regel. Genau deshalb sind viele Gerichte auch heute noch für Vegetarier geeignet, und genau deshalb schmecken sie so ehrlich: Es gibt nichts, was die wenigen Zutaten überdecken würde.
Mehr zur Region findest du auf basilikata.online.
Tante Linas Klassiker: Bei ihr begann fast jedes Essen mit Gemüse, das man in der Basilikata seit Generationen kennt. Das stand in dieser Woche auf dem Tisch:
Zutat der Region: Peperone Crusco. Die Peperoni di Senise IGP (vor 2020 noch im Singular eingetragen) werden getrocknet und kurz in heißem Öl frittiert. Dann ist er knusprig, daher der Name „Crusco“. Du bröselst ihn über Pasta, Fisch oder Gemüse. Ohne ihn geht in der Basilikata kaum etwas. Den Schutzstatus findest du im EU-Register eAmbrosia.
Ohne Pasta kein Mittagessen. Die Hauptrolle spielen die Orecchiette, die „Öhrchennudeln“ aus Hartweizengrieß und Wasser. Sie sind für Apulien und die Basilikata gleichermaßen typisch und das beste Beispiel für die Verschmelzung der beiden Regionen.
In Montescaglioso servierte Tante Lina sie oft mit Cime di Rapa. Zerbröselter Peperone Crusco gibt dem Gericht seine besondere Note. Eine zweite Variante in dieser Woche: Orecchiette con i broccoli mit Brokkoli, Knoblauch, Chili und Olivenöl, oft mit gerösteten Semmelbröseln bestreut.
Das Prinzip ist bei fast allen Pastagerichten der Region gleich: wenige Zutaten, ein Gemüse oder eine Hülsenfrucht als Basis und etwas Knuspriges obenauf, sei es Crusco oder geröstete Semmelbrösel. Die Brösel gelten als „Käse der Armen“ und ersetzen dort, wo es früher keinen Parmigiano gab, den würzigen Abschluss. Das macht die Pasta sättigend, ohne schwer zu sein.
Daneben kamen in dieser Woche diese Pastagerichte auf den Tisch:
Für die zweiten Gänge sorgte mein Vater Francesco. Im Herbst, wenn die Abende kühler werden, passen diese Gerichte besonders gut:
Fleisch und Fisch gab es früher nur an besonderen Tagen, und das merkt man den Rezepten an: Schwein, Lamm und Stockfisch werden langsam und mit viel Olivenöl, Kräutern und Peperoni cruschi zubereitet, damit aus wenig viel Geschmack wird. Der Stockfisch kam traditionell über den Handel ins Landesinnere, weil frischer Fisch hier kaum zu haben war.
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| Orecchiette mit Brokkoli |
Tante Lina hat in dieser Woche auch gebacken und frittiert, was das Zeug hielt:
Eine Woche ohne Wurst und Käse wäre hier undenkbar. Drei Produkte mit geschützter Herkunft solltest du kennen (alle drei sind im EU-Register eAmbrosia eingetragen):
Nicht alles, was zur lukanischen Küche gehört, passt in den Oktober. Diese Gerichte solltest du trotzdem kennen:
Wenn du selbst nach Montescaglioso kommst, helfen dir diese drei Adressen, die ich in der Woche kennengelernt habe (Stand Oktober 2026):
Wenn du vor Ort bist, lohnt sich der Einkauf beim Bäcker, im Feinkostladen oder direkt beim Erzeuger:
Wenn du die Gerichte zu Hause nachkochen willst, findest du weitere Ideen auf kochen.pro. Und wer die Gegend rund um Matera und Montescaglioso erkunden will: Ein Abstecher zur Benediktinerabtei San Michele Arcangelo in Montescaglioso lohnt sich, am besten mit anschließendem Mittagessen.
Eine Woche in Montescaglioso, Anfang Oktober 2026. Tante Lina und mein Vater Francesco haben mich durch die Küche dieser Region geführt. Mein Lieblingsgericht der Woche war das Risotto mit Champignons, das mein Vater für Tante Lina gekocht hat, damit sie sich ausruhen konnte. Es war einfach und genau deshalb so gut. Wenn du die Region selbst probieren willst, nimm dazu Orecchiette mit Cime di Rapa und Crusco, ein Stück Pane di Matera und Ciaudedda. Die Küche zwischen Basilikata und Apulien kennt keine strengen Grenzen und gehört genau deshalb zu den ehrlichsten und wärmsten Italiens.
Typisch sind Orecchiette mit Cime di Rapa, Peperoni cruschi, Pane di Matera, Lucanica-Wurst, Pecorino di Filiano und einfache Gemüsegerichte wie Ciaudedda oder Ciambotta. Die Küche stammt aus der Cucina Povera und kommt mit wenigen guten Zutaten aus.
Das sind getrocknete Paprika aus Senise, die kurz in heißem Öl frittiert werden und dadurch knusprig werden. Du bröselst sie über Pasta, Fisch oder Gemüse.
Beide sind Hartweizenbrote mit kräftiger Kruste. Pane di Matera trägt die Herkunftsbezeichnung IGP und kommt aus der Basilikata, Pane di Altamura trägt die Bezeichnung DOP und kommt aus Apulien.
Im Herbst stehen Pilzrisotto, Spaghetti mit Artischocken, Parmigiana, Baccalà, geschmortes Lamm und Orecchiette mit Brokkoli oder Cime di Rapa auf dem Tisch.
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