Foglie di Ulivo Pasta – Eine seltene Spezialität aus Süditalien
Matera wirkt auf den ersten Blick wie ein Ort, der sich der Zeit entzieht. Steinhäuser, die wie eingefügt in die Felsen aussehen. Schluchten, die sich abrupt auftun. Und mittendrin das Gefühl, plötzlich in einer anderen Epoche zu stehen – ohne Zeitmaschine, versteht sich.
Matera liegt in der Region Basilikata, im Süden Italiens. Eine Stadt, die jahrhundertelang unterschätzt wurde – oder besser: ignoriert. Heute gilt sie als eines der ältesten kontinuierlich bewohnten Siedlungsgebiete Europas.
Die berühmten Sassi (Sasso Caveoso und Sasso Barisano) sind Höhlensiedlungen, die über Jahrtausende erweitert, ausgebaut und umgestaltet wurden. Ein Mix aus Naturhöhlen, in Fels gehauenen Räumen und später aufgesetzten Häusern.
Kurzer Einschub: Als ich zum ersten Mal in den Sassi stand, dachte ich, jemand hätte das Set eines historischen Films einfach liegen lassen.
Spoiler: Viele Filme wurden dort wirklich gedreht.
Besiedlung: nachweisbar seit der Altsteinzeit, rund 9.000 Jahre.
Höhlen dienten als Schutzräume; später entstanden erste in Fels geschlagene Wohnräume.
Griechische und römische Einflüsse kamen hinzu, aber Matera blieb stets ein „Randgebiet“ großer Reiche.
Die Siedlung wuchs terrassenartig.
Zahlreiche Felsenkirchen und Klosteranlagen entstanden zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert.
Manche Fresken wirken heute fast surreal, weil sie aus nacktem Stein herausleuchten.
Bis Mitte des 20. Jahrhunderts lebten Familien, Tiere und Vorräte oft in einem Raum.
1950er Jahre: Matera wurde als „Schande Italiens“ bezeichnet – aufgrund schlechter hygienischer Bedingungen.
Die Regierung ordnete eine Umsiedlung an; viele Sassi standen danach jahrzehntelang leer.
Ab den 1980er Jahren begannen Restaurierungen.
1993 erhielt Matera internationalen Schutzstatus.
2019 wurde die Stadt Europäische Kulturhauptstadt – und erlebte einen enormen Entwicklungsschub.
Heute ist Matera ein Beispiel dafür, wie ein fast aufgegebener Ort wiederbelebt werden kann – ohne ihn komplett neu zu erfinden.
Einwohner: ca. 60.000
Höhenlage: rund 400 m
Region: Basilikata, Provinz Matera
Sassi: etwa 3 km² Fläche
Felsenkirchen: über 150 nachweisbare Strukturen
Filmkulisse: u. a. Die Passion Christi, Ben Hur (2016), No Time To Die (2021)
Klingt viel? Vor Ort wirkt alles kompakt, fast intim.
Der Weg durch die Sassi ist weniger ein Spaziergang, mehr ein sanftes Klettern. Treppen, Stufen, schmale Pfade. Manchmal landet man irgendwo, wo man gar nicht hinwollte – aber genau das macht es spannend.
Geruch von warmem Stein. Grillen. Abends klingt die Stadt fast wie ein Amphitheater.
Wenn ein Restaurant in den Fels gebaut ist, riecht es anders – dumpfer, aber angenehm.
Man schaut ständig irgendwo runter: auf Innenhöfe, Dächer, weitere Stufen, die noch tiefer führen. Ein dreidimensionales Labyrinth.
Und dann die Gravina-Schlucht – dieser Riss mitten in der Landschaft. Wanderwege führen zur Felsenkirche Santa Maria de Idris oder hinüber zum Belvedere der Murgia. Dort hat man den ikonischen Blick auf die gesamte Felsenstadt. Ja, der ist wirklich so gut, wie alle sagen.
Ich verbrachte zwei Tage in Matera. Eigentlich viel zu wenig, aber genug, um ein paar Dinge zu spüren:
Abends ist die Stadt magisch, wenn die Sassi warm beleuchtet wirken.
Tagsüber ist es heiß. Keine Überraschung im Süden Italiens, aber der Fels speichert Wärme wie ein Backofen.
Essen: bodenständig. Orecchiette, Brot aus Matera (leicht säuerlich, ziemlich lecker), Peperoni Cruschi.
Tempo: gemütlich. Man lässt sich treiben oder rollt fast automatisch in die nächste Gasse.
Überraschung: wie ruhig Matera trotz vieler Besucher bleibt.
Kleine Anekdote: Ich habe mich einmal ordentlich verlaufen. Gleich zweimal hintereinander. Kein Drama – nur eine gute Erinnerung.
Mindestens 1,5 bis 2 volle Tage. Wer wandern oder mehrere Felsenkirchen besuchen möchte, eher 3.
Ja, ein wenig. Viele Stufen, unregelmäßiger Boden. Gute Schuhe schaden nicht.
Ja. Es gibt Hotels und Ferienwohnungen innerhalb der Felsenstrukturen. Sehr atmosphärisch – manchmal auch etwas kühl und feucht, je nach Bauweise.
Nächster großer Flughafen: Bari.
Von dort fährt ein Bus oder Zug (Ferrovie Appulo Lucane) nach Matera.
Sasso Caveoso
Sasso Barisano
Casa Noha (gute Einführung in Materas Geschichte)
Felsenkirche Santa Lucia alle Malve
Belvedere Murgia Timone
Dom von Matera
Frühling und Herbst. Im Sommer ist es sehr warm, im Winter angenehm ruhig.
Ja, aber Vorsicht bei Stufen und steilen Wegen.
Moderate Preise. Essen und Unterkünfte sind oft günstiger als in bekannten Städten Süditaliens.
Detaillierter Reisebericht über Matera: Geschichte, Zahlen, Fakten, persönliche Eindrücke, Tipps und ausführliche FAQ. Authentisch, locker und informativ geschrieben.
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