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Basilikata: Die Region, die sich vor ihren Besuchern versteckt

Sassi von Matera, Basilikata
Ich blicke auf die Sassi di Matera, helles Licht auf den Höhlenwohnungen

Basilikata: Die Region, die sich vor ihren Besuchern versteckt

Ich reise seit Jahren immer wieder nach Süditalien – genauer gesagt nach Montescaglioso, einer Kleinstadt mit rund 10.000 Einwohnern unweit von Matera in der Basilikata. Die Region liegt mir nicht zufällig am Herzen: Hier liegen die Wurzeln meiner väterlichen Familie, hier hat meine Tante Lina bis heute ihre Orecchiette von Hand geformt. Für viele Reisende endet Italien irgendwo in der Toskana, in Florenz oder an der Amalfiküste bei Neapel. Auch Sizilien und Sardinien sind längst auf jeder Italien-Bucketlist zu finden. Ein Basilikata Urlaub hingegen bleibt auf der touristischen Landkarte erstaunlich blass. Dabei hat diese Region fast alles, was man sich von einem Italien-Urlaub erhofft – nur eines nicht: einen einfachen Weg dorthin.

Inhaltsverzeichnis

Landschaft und Klima der Basilikata

Die Sonne scheint in der Basilikata gefühlt fast ununterbrochen. Selbst außerhalb der Hochsaison dominieren blauer Himmel und angenehme Temperaturen den Alltag. Die Landschaft wechselt zwischen sanften Hügeln, Olivenhainen und schroffen Felsformationen wie den Sassi von Matera. Du findest hier ein Italien, das sich seinen ursprünglichen Charakter bewahrt hat – ohne die Bäderarchitektur der Adriaküste und ohne die Menschenmassen der bekannteren Regionen.

Blick ins Tal: Olivenhaine in der Basilikata nahe Montescaglioso
Mein Vater erklärt den Enkel geographische Details

Matera und die Sassi: mehr als eine Kulisse

Wer die Sassi di Matera zum ersten Mal sieht, hält sie oft für eine reine Filmkulisse – tatsächlich diente die Altstadt schon mehrfach als Drehort, unter anderem für „The Passion of the Christ" und einen James-Bond-Film. Doch hinter den Höhlenwohnungen steckt eine deutlich härtere Geschichte. Bis in die 1950er-Jahre lebten hier Zehntausende Menschen unter teils katastrophalen hygienischen Bedingungen, oft zusammen mit ihrem Vieh in denselben Räumen. Der italienische Staat bezeichnete Matera damals als „nationale Schande" und siedelte die Bevölkerung zwangsweise in Neubauviertel um. Erst ab den 1980er-Jahren begann die schrittweise Rückeroberung der Sassi, 1993 wurden sie zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt, 2019 war Matera sogar Kulturhauptstadt Europas.

Heute sind viele der ehemaligen Höhlenwohnungen zu Boutique-Hotels, Restaurants oder kleinen Museen umgebaut. Für einen ersten Überblick reicht ein halber Tag, doch wer wirklich verstehen will, wie hier gelebt wurde, sollte mindestens eine Nacht in einem der Höhlenhotels verbringen und den Besuch der Chiesa di Santa Maria de Idris sowie eines der Case Grotto del Casalnuovo (originalgetreu eingerichtete Höhlenwohnungen) einplanen.

Castelmezzano, Pietrapertosa und Craco

Wer über Matera hinaus in die Basilikata eintaucht, stößt schnell auf die sogenannten Dolomiti Lucane – eine schroffe Felslandschaft rund um die Dörfer Castelmezzano und Pietrapertosa. Beide zählen zu den „Borghi più belli d'Italia", den offiziell schönsten Dörfern Italiens, und sind durch eine Seilrutsche namens Volo dell'Angelo miteinander verbunden: Mit bis zu 120 km/h schwebt man dabei über das Tal zwischen den beiden Orten. Die Anfahrt lohnt sich – allerdings nur mit Auto, da beide Dörfer per Bus praktisch nicht sinnvoll erreichbar sind.

Ein weiterer, gänzlich anderer Ort ist Craco, keine 40 Autominuten von Matera entfernt. Das mittelalterliche Dorf wurde 1963 nach einem Erdrutsch endgültig aufgegeben und steht seither leer – eine echte Geisterstadt, die inzwischen ebenfalls als Filmkulisse diente (unter anderem für „Der Passion Christi" und „James Bond: Ein Quantum Trost"). Der Zugang ist nur im Rahmen einer geführten Tour möglich, da einzelne Gebäude einsturzgefährdet sind.

Foto-Platzhalter: Die verlassene Geisterstadt Craco auf einem Hügel in der Basilikata – Alt-Text: „Geisterstadt Craco in der Basilikata"

Die Küche: Einfachheit als Prinzip

Besonders beeindruckt mich jedes Mal die Küche der Region. Sie lebt nicht von aufwendigen Kompositionen oder spektakulären Inszenierungen, sondern von einer fast schon radikalen Einfachheit. Ein gutes Olivenöl, frisches Gemüse, handgemachte Pasta, Brot aus Hartweizengrieß und ausgezeichnete Käsesorten reichen aus, um Mahlzeiten zu schaffen, die lange in Erinnerung bleiben. Wie so ein Teller Orecchiette in der Praxis entsteht, zeige ich dir übrigens in meinem Artikel über die handgemachten Orecchiette meiner Tante Lina.

Drei Dinge solltest du auf keinen Fall auslassen, wenn du in der Basilikata isst. Erstens die Peperoni Cruschi: getrocknete, in Olivenöl kurz frittierte Paprikaschoten, die dabei papierdünn und knusprig werden und mit einem Hauch Salz zur Beilage fast jedes Gerichts werden. Zweitens das Pane di Matera IGP: ein Brot aus Hartweizengrieß mit dicker Kruste und langer Frischhaltung, traditionell in Holzöfen gebacken und an seiner charakteristischen, leicht konischen Form erkennbar. Drittens der Caciocavallo Podolico: ein Käse aus der Milch der Podolica-Rinder, die halbwild in den Hügeln der Basilikata weiden – geschmacklich kräftiger und komplexer als der industriell hergestellte Caciocavallo, den man sonst in Italien findet. Dazu passt eine würzige Lucanica, eine luftgetrocknete Wurst mit Fenchelsamen, die der Region ihren kulinarischen Ruf mitbegründet hat. Die Qualität der Produkte in der Basilikata ist außergewöhnlich hoch und macht deutlich: Guter Geschmack braucht selten komplizierte Rezepte.

Preisniveau: noch ein echtes Süditalien

Hinzu kommt ein Aspekt, der in vielen italienischen Urlaubsregionen längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist: Die Preise sind erstaunlich moderat. Ob im Restaurant, im Café oder beim Einkauf auf dem Wochenmarkt – die Basilikata liegt weit unter dem Preisniveau, das du inzwischen aus der Toskana, von der Amalfiküste oder auch aus den Küstenorten Sardiniens kennst. Wer einen Vergleich sucht, findet auf toskana.pro und sardinien.pro eine gute Referenz, wie stark sich die Preisniveaus innerhalb Italiens mittlerweile unterscheiden. Gerade dieser Unterschied macht die Basilikata authentisch und unverfälscht.

Das Problem mit der Anreise

Und doch begleitet mich bei jeder Reise derselbe Gedanke: Warum macht es sich die Basilikata mit ihren Besuchern so schwer? Die Antwort liegt an drei Stellen – Flugverbindungen, Bahn und Busnetz.

Flughafen: Fehlanzeige

Die Region verfügt über keinen eigenen Flughafen. Wer aus Deutschland anreist, muss zwangsläufig auf Flughäfen im benachbarten Apulien wie Bari oder Brindisi ausweichen. Direktflüge nach Matera oder in die Regionalhauptstadt Potenza gibt es nicht, weil dort schlicht keine Flughäfen existieren. Ab Flughafen Bari bist du mit dem Mietwagen etwa 1 Stunde bis 1 Stunde 15 Minuten bis nach Matera unterwegs, nach Montescaglioso rechne noch einmal 20 Minuten mehr. Vom Flughafen Brindisi verlängert sich die Fahrt auf etwa 2 Stunden.

Bahn: nur bedingt eine Alternative

Auch die Bahn ist nur bedingt eine Option. Die einzige direkte Zugverbindung von Bari nach Matera betreibt die Regionalbahngesellschaft Ferrovie Appulo Lucane (FAL) – nicht das reguläre Trenitalia-Netz. Die Fahrt dauert rund 1,5 Stunden, die Bahnhöfe liegen aber oft am Stadtrand statt im Zentrum, sodass ein weiterer Fußweg oder Taxi hinzukommt. Wer von Montescaglioso oder den Bergdörfern aus weiterreisen will, braucht in der Regel mindestens einen Umstieg, häufig in Ferrandina oder Potenza. Wer sich ausschließlich auf den Zug verlassen möchte, braucht vor allem eines: Gelassenheit.

Bus: zuverlässig, aber zeitaufwendig

Am Ende bleibt meist nur das Busnetz. Es verbindet die Städte und Gemeinden zwar zuverlässig, doch die Fahrzeiten sind lang, Anschlüsse nicht immer optimal abgestimmt, und spontane Ausflüge werden schnell zur logistischen Herausforderung. Was auf der Landkarte nach kurzer Distanz aussieht, kann in der Realität mehrere Stunden dauern.

Foto-Platzhalter: Regionalbus auf kurviger Landstraße in der Basilikata – Alt-Text: „Busverbindung durch die Hügellandschaft der Basilikata“

Praktisches vor Ort: Unterkunft und Fortbewegung

Unterkunft: Höhlenhotel oder klassisches Hotel

In Matera selbst hast du im Kern zwei Optionen. Wer das Sassi-Erlebnis wirklich mitnehmen will, bucht eines der Höhlenhotels direkt in der Altstadt – vom puristisch-luxuriösen Sextantio Le Grotte della Civita, wo eine Nacht schnell 300 bis 500 Euro kostet, bis zu kleineren, familiengeführten Häusern wie Case Sul Corso oder La Dolce Vita, die für 90 bis 140 Euro pro Nacht ein ähnliches Ambiente bieten, nur mit weniger Spa und mehr Nähe zu den Nachbarn. Wer sparen möchte oder außerhalb der Hauptsaison reist, findet in den Neubauvierteln außerhalb der Sassi klassische Hotelzimmer schon ab 60 bis 80 Euro. In Montescaglioso selbst gibt es kaum touristische Infrastruktur – hier übernachten in der Regel nur Gäste mit familiärer Verbindung wie ich, wer die Umgebung erkunden will, bleibt besser in Matera und fährt die 20 Minuten mit dem Auto.

Vor Ort unterwegs: ohne Mietwagen kaum machbar

Innerhalb von Matera selbst kommst du zu Fuß überall hin, die Altstadt ist kompakt und großteils autofrei. Sobald du aber Montescaglioso, die Dolomiti Lucane oder Craco sehen willst, führt an einem Mietwagen kaum ein Weg vorbei. Die Busverbindungen zwischen den kleineren Orten sind, wie im Abschnitt zur Anreise beschrieben, unregelmäßig und für Tagesausflüge oft ungeeignet. Rechne mit Mietwagenpreisen ab Bari von etwa 30 bis 45 Euro pro Tag in der Nebensaison, in den Sommermonaten Juli und August können es deutlich über 60 Euro werden. Ein Tipp aus eigener Erfahrung: Parkplätze direkt an den Sassi sind knapp und teuer, günstiger und stressfreier parkst du an einem der bewachten Parkplätze am Rand der Altstadt und gehst die letzten Minuten zu Fuß.

Fazit: eine Geduldsprobe, die sich lohnt

Gerade darin liegt das Paradox dieser Region. Die Basilikata besitzt mit Matera, den Bergdörfern im Umland und ihrer beeindruckenden Landschaft enormes touristisches Potenzial. Gleichzeitig erschwert eine unzureichende Verkehrsinfrastruktur den Zugang erheblich. Es wirkt fast so, als wolle die Region ihre Besucher erst auf die Probe stellen, bevor sie ihre schönsten Seiten zeigt.

Ich werde trotzdem wiederkommen. Nicht trotz dieser Umstände, sondern weil die Basilikata mich jedes Mal aufs Neue entschleunigt. Vielleicht gehört die beschwerliche Anreise sogar zum Charakter dieser Region – wer hier ankommt, hat sich den Aufenthalt in gewisser Weise verdient. Mehr zu meiner Verbindung nach Süditalien und was das Land sonst noch zu bieten hat, findest du auch auf italien.pro. Wenn dir das Prinzip der übersehenen Region gefällt, lohnt auch ein Blick auf ligurien.pro – eine weitere italienische Region, die im Schatten bekannterer Nachbarn steht. Ich hoffe dennoch, dass eines Tages nicht nur die Basilikata selbst bekannter wird, sondern auch der Weg dorthin einfacher.

Häufige Fragen zur Basilikata

Gibt es einen Flughafen in der Basilikata?

Nein. Die Basilikata hat keinen eigenen Flughafen. Die nächstgelegenen internationalen Flughäfen liegen in Bari und Brindisi in der benachbarten Region Apulien.

Wie komme ich am besten nach Matera?

Am praktikabelsten ist die Anreise über den Flughafen Bari mit anschließendem Mietwagen oder Bus. Wer flexibel unterwegs sein möchte, sollte den Mietwagen vorziehen, da das Busnetz zwar zuverlässig, aber zeitintensiv ist.

Ist die Basilikata teurer oder günstiger als die Toskana?

Die Basilikata ist spürbar günstiger. Restaurants, Cafés und Wochenmärkte liegen preislich deutlich unter dem Niveau, das viele Reisende aus der Toskana oder von der Amalfiküste gewohnt sind.

Lohnt sich ein Besuch trotz der schwierigen Anreise?

Ja. Landschaft, Küche und Preisniveau der Basilikata gleichen den zusätzlichen Reiseaufwand mehr als aus – vorausgesetzt, man plant die Anreise mit etwas Vorlauf.

Wann ist die beste Reisezeit für die Basilikata?

Die Monate Mai, Juni sowie September und Oktober bieten angenehme Temperaturen ohne die Hitze und die Besucherzahlen des Hochsommers. Matera lässt sich auch im Winter gut besichtigen, da die Sassi ganzjährig zugänglich sind.

Wie viele Tage sollte ich für die Basilikata einplanen?

Für Matera allein reichen zwei volle Tage. Wer zusätzlich Montescaglioso, Craco und die Dolomiti Lucane rund um Castelmezzano und Pietrapertosa sehen möchte, sollte mindestens fünf bis sechs Tage einplanen – vor allem wegen der langen Fahrzeiten zwischen den einzelnen Orten.

Braucht man in der Basilikata einen Mietwagen?

Für Matera selbst nicht, die Altstadt ist zu Fuß erkundbar. Für Ausflüge nach Montescaglioso, Craco oder in die Dolomiti Lucane ist ein Mietwagen praktisch unverzichtbar, da das Busnetz zwischen den kleineren Orten nur eingeschränkt taugt.






Unterkünfte/ Hotels/ Übernachtungen/ Flüge




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