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Basilikata: Die Region, die sich vor ihren Besuchern versteckt

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📖 Lesezeit: ca. 8 Minuten 🏷️ Basilikata, Reisebericht, Matera, Italien Ich blicke auf die Sassi di Matera, helles Licht auf den Höhlenwohnungen Basilikata: Die Region, die sich vor ihren Besuchern versteckt Ich reise seit Jahren immer wieder nach Süditalien – genauer gesagt nach Montescaglioso, einer Kleinstadt mit rund 10.000 Einwohnern unweit von Matera in der Basilikata. Die Region liegt mir nicht zufällig am Herzen: Hier liegen die Wurzeln meiner väterlichen Familie, hier hat meine Tante Lina bis heute ihre Orecchiette von Hand geformt. Für viele Reisende endet Italien irgendwo in der Toskana, in Florenz oder an der Amalfiküste bei Neapel . Auch Sizilien und Sardinien sind längst auf jeder Italien-Bucketlist zu finden. Ein Basilikata Urlaub hingegen bleibt auf der touristischen Landkarte erstaunlich blass. Dabei hat diese Region fast alles, was man sich von einem Italien-Urlaub erhofft – nur eines nicht: einen einfachen Weg dorthi...

u mier

Das Wort „u mier“, das in Montescaglioso – einer kleinen Stadt in der Nähe von Matera in Basilikata – für „Wein“ verwendet wird, hat eine interessante sprachgeschichtliche Herkunft, die auf die komplexen kulturellen und sprachlichen Einflüsse in der Region Basilikata hinweist.

„U mier“ weicht sowohl vom Standarditalienischen „il vino“ als auch von der Variante „u vèin“ ab, die in Matera üblich ist. Linguistische Untersuchungen zeigen, dass dieses Wort auf das lateinische „merum“ zurückgeht. „Merum“ bedeutete im klassischen Latein reinen, unvermischten Wein, im Gegensatz zu mit Wasser verdünntem Wein, der im antiken Rom oft getrunken wurde. Dieser Begriff „merum“ wurde in vielen Teilen des römischen Reiches verwendet und überlebte in verschiedenen Dialekten und romanischen Sprachen.

In den lukanischen Dialekten, wie dem von Montescaglioso, hat sich das lateinische „merum“ über die Jahrhunderte weiterentwickelt und vereinfacht. Phonologische Veränderungen führten zur Verkürzung des Wortes, wobei die Endung „-um“ verschwand, und es wurde zu „mier“ oder ähnlichen Formen. Das „u“ als bestimmter Artikel ist typisch für süditalienische Dialekte und zeigt den Einfluss des Ostsizilianischen, das sich auch in anderen Regionen der Basilikata verbreitet hat.

Interessant ist, dass ähnliche Varianten des Wortes „mier“ oder „mir“ auch in anderen romanischen Sprachen und Dialekten zu finden sind, etwa im Altprovenzalischen oder im Katalanischen. Das deutet darauf hin, dass die Region Basilikata, und besonders Montescaglioso, Teil eines breiteren kulturellen und sprachlichen Netzwerkes war, in dem der Begriff für „Wein“ in verschiedenen Formen überlebte.

Zusammengefasst stammt das Wort „u mier“ aus dem Lateinischen „merum“, das sich durch phonologische Veränderungen in den lukanischen Dialekten erhalten hat. Es spiegelt die lange Geschichte der Weinproduktion und den kulturellen Austausch in Süditalien wider, wo Begriffe und Traditionen über Jahrhunderte hinweg weitergetragen und angepasst wurden.

Viele Haushalte in Süditalien machen noch ihren eigenen Wein. 


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